Donnerstag, 14.11.2019 10:23 Uhr

Kultureller Sondermüll

Verantwortlicher Autor: Sharon Oppenheimer Tel Aviv, 11.08.2019, 13:37 Uhr
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Tel Aviv [ENA] Zugegeben, ich kann Richard Wagner nicht ausstehen: weder seine Musik, noch seine Weltanschauung, noch die Wertschätzung, die diesem antisemitischen Troll entgegengebracht wird. Seiner Musik fehlt die Spiritualität, die Leidenschaft und die menschliche Wärme eines Mozarts, eines Bachs, eines Beethovens und eines Händels. Richard Wagner - das ist pseudogermanische Ausschließlichkeit und 1000jähriger Mief.

Dafür wartet Wagner mit nordischen Kitsch und bombastischen Klängen auf: wahnwitziger Teutonenkult untermalt von pompösen Melodien. Er produzierte Massenware für bare Münze. Sein Werk ist gänzlich durchdrungen von pseudogermanischer Ausschließlichkeit und antisemitischen Vorurteilen. Wagner war nicht nur Komponist, sondern auch Verfasser judenfeindlicher Schriften, wie „Judenthum in der Musik“, dass er unter dem Namen K. Freigedank aufs Papier brachte. Juden, das waren seiner Meinung nach, die Anstifter des Weltenbrandes. Sein Pamphlet war es, dass zur Geringachtung des Werkes von Mendelssohn-Bartholdy beitrug.

Auch verhöhnte er Giacomo Meyerbeer, obwohl Meyerbeer es gewesen war, der ihn bei der Entstehung seiner Oper „Rienzi“ unterstützt hatte. Kein Wunder, dass er auch Hitlers Lieblingskomponist war. Dass seine Kompositionen nicht mit ihm in der Versenkung verschwanden, konnte er einem glücklichen Zufall verdanken. 1864 begegnete er dem jungen bayerischen König Ludwig II. Fortan lebte er bis zu seinem Lebensende auf Kosten Ihrer Majestät. Wagner schwang sich zu seinem Freund und Berater auf, mischte sich sogar in Regierungsangelegenheiten ein bis ihm die Bayern einen Strich durch die Rechnung machten.

Wegen heftiger Proteste seitens des Volkes und der Regierung verließ er anderthalb Jahre später das Königreich. Er blieb weiterhin freundschaftlich und finanziell mit Ludwig II., dem Erbauer der Märchenschlösser verbunden. Trotzdem ließ sich der Märchenkönig nicht von Wagners geifernden Judenhass infizieren. Der Monarch verwehrte sich dagegen, gab später sogar zu verstehen, wie abstoßend er Antisemitismus empfand. Es wurde für Richard Wagner eigens ein Schauspielhaus in Bayreuth errichtet – eine Ehre, die sonst keinem deutschen Komponisten zuteil wurde.

Der Pilgerstrom zu den Festspielen nach Bayreuth hält unvermindert an, trotz der düsteren Machwerke Wagners, trotz der Verstrickungen seiner Erben mit den Machthabern des NS-Regimes, allen voran Winifred Wagner, eine unbelehrbare Nationalsozialistin und Freundin Hitlers bis an ihr Lebensende. Götterdämmerung und 1000jähriger Mief. Nach über 130 Jahren, die seit dem Ableben des Musikers vergangen sind, wäre es nicht an der Zeit, das Schaffen und die Person des Richard Wagners zu entzaubern?

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